Die Weihnachtszeit, für viele von uns „die Kekssaison“, ist vorbei, und so mancher hat das Neue Jahr mit guten Vorsätzen begonnen.
Was Nahrungsaufnahme in der Evolution bedeutet und was Fasten mit Anti-Aging zu tun hat, war im November Thema einer Tagung der Uni Graz.

Hier der gekürzte Artikel von Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 14.11.2014

Mit Rotwein, Schokolade und Pasta gesund alt werden? Wenn das nicht verlockend klingt! Frank Madeo, Professor für Molekularbiologie an der Grazer Karl-Franzens-Uni, propagiert so etwas nicht etwa, weil er väterlicherseits aus Kalabrien stammt. "Fasten - Chancen, Grenzen, Selbsterfahrung" war der Titel einer Tagung der Uni Graz, wo der Forscher seine überraschenden Erkenntnisse präsentierte.

 

Madeo hat mit seinem Team an der Uni Graz bereits vieles herausgefunden, was den gängigen Ernährungsratschlägen zu widersprechen scheint. Im Zentrum seiner Forschungen steht die sogenannte Autophagie, ein Prozess, bei dem die Zellen sich selbst aufräumen, ihren Zellmüll, etwa deformierte oder beschädigte Proteine, entsorgen. Dass genau das eine lebensverlängernde Wirkung hat und beim Fasten automatisch passiert, war vielen neu. Dabei geht es nicht um Abnehmen im Sinne von weniger Kilos.

Aufräumen in der Zelle

Das Aufräumprogramm der Zellen passiert beim "alternate day fasting" automatisch. Dabei isst man jeden zweiten Tag nichts, trinkt nur Tee, Wasser, Kaffee und Suppe. Am nächsten Tag isst man wieder - und zwar alles. An den Fastentagen wird die Autophagie eingeschaltet, sie "hält Schäden, die im Alter akkumulieren können, in Grenzen", sagt Madeo und meint damit einen Anti-Aging-Effekt.
Auch was die Nahrungsaufnahme betrifft, überraschte Madeo. Der Versuch an Mäusen widerlegt die Theorie von den kleinen, über den Tag verteilten Mahlzeiten. Der Versuch an Modellorganismen mit Mäusen zeigte Erstaunliches. Jene Mäuse, die eine extrem kalorienreiche Diät über den Tag verteilt fraßen, wurden fett und bekamen eine Fettleber. Jene Tiere, die das gleiche Futter auf einmal bekamen, blieben schlank und gesund.

 

Madeo betont: "Wir wissen, dass Fasten die Autophagie einschaltet." Ergo: Lieber längere Essenspausen, als "ein Portiönchen für jedes Hungerchen", denn das sei "gegen die Biologie". Auch evolutionsgeschichtlich sei das Unsinn. Der Biologe und Philosoph Franz Wuketits gab Madeo recht, indem er die Nahrungsaufnahme in der gesamten Evolutionsgeschichte aufrollte. Unsere heutige Phase der "Nahrungsverschwendung", setzte mit der industriellen Herstellung von Lebensmitteln im 18. Jahrhundert ein.

Kultur des Fastens

Bewusstes Fasten, so Wuketits, ist zwar eine "evolutionäre Anomalie", eine "kulturelle Errungenschaft" aus religiösen Gründen oder fürs Wohlbefinden. Das "Fasten unter sozialem Druck, also dem vorherrschenden Schlankheitswahn", sei aber die größte Anomalie: "Kein Tier würde aus sozialem Druck sein Gewicht reduzieren", sagt Wuketits.
Anders ist das mit der Völlerei, also der Aufnahme von sehr viel Nahrung in einem kurzen Zeitraum. Diese sei zwar auch kultiviert worden - etwa zum bewussten Anfüttern für körperliche Höchstleistungen -, sie sei aber auch evolutionär erklärbar, weiß Wuketits: Denn wenn ein Jäger und Sammler ein Wildschwein erlegte und verzehrte, "wusste er ja nicht, wann und ob überhaupt ihm so ein Wildschwein wieder begegnen würde".

Sinnvolle Essenspausen

Das erklärt vielleicht auch, warum unsere Zellen Essenspausen ganz gut zu nutzen wissen. Mit der Nachricht, dass Autophagie auch ganz ohne Fasten durch bestimmte Substanzen angeworfen werden kann, hat Madeo heuer international Furore gemacht. Er und sein Team entdeckten, dass ein Stoff namens Spermidin diesen Prozess der Zellreinigung einschaltet. Spermidin ist in hoher Konzentration im menschlichen Sperma enthalten, aber auch in Hülsenfrüchten, bestimmten Pilzen, Fleischsorten sowie in Zitrusfrüchten und Weizenkeimen.
Es soll sogar einen positiven Effekt auf altersbedingte Demenz haben, wie Versuche an Fruchtfliegen ergeben. Mit Spermidin im Trinkwasser gefütterte Fliegen schnitten, was das Erinnern an Belohnungen betrifft, deutlich besser ab.

Entschlackung und Diäten

Dass Fasten Krankheiten heilen kann, glaubte auch Otto Buchinger, der 1920 eine Klinik für Trinkdiäten gründete. Nach seinem Vorbild betreibt Robert Dunst heute ein Fastenhaus, in dem Menschen mehrere Tage nichts essen. Während der Tagung in Graz wurde auch die Frage erörtert, was es mit dem Wort Entschlackung wissenschaftlich auf sich hat.

 

Madeo verwies das Wort Schlacke in den Bereich von Autobahnbaustellen: "Ich kann Ihnen versichern, auch wenn Sie lange fasten, werden Sie nicht Teer pinkeln." Entschlacken ist eher als Metapher zu verstehen. Was soll man essen, wenn man nicht fastet? Madeo spricht sich gegen jeden "Nahrungsdogmatismus" aus, denn der Mensch ist ein Allesfresser.
Von Diäten, die Kohlenhydrate verbannen, hält Madeo aus Sicht der Altersforschung nichts. Die ältesten Menschen der Welt leben in Süditalien und im südjapanischen Okinawa. Sie werden sehr oft sogar über hundert Jahre alt und essen viel Kohlenhydrate - in Form von Pasta und Reis. Auch der restliche Speiseplan ist vergleichbar: "Viel Obst und Gemüse, Fisch, wenig Fleisch." Förderlich für ein langes Leben sei übrigens auch "gelegentlich ein Glas Wein oder Bier", wohlgemerkt, "Weintrinker leben länger als Biertrinker. Noch kürzer als Biertrinker leben nur die Nichttrinker."

Den vollständigen Artikel finden Sie im Standard unter dem Titel „Vom Fasten und Völlern“

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