Nach einer Organtransplantation könnten Bluttests den Empfängern künftig Biopsien ersparen und früher als bisher auf drohende Abstoßungsreaktionen hinweisen. Das Verfahren analysiert das im Blut des Empfängers zirkulierende Erbgut auf den Anteil von Spender-DNA.


Nach einer Organtransplantation könnten Bluttests den Empfängern künftig Biopsien ersparen und früher als bisher auf drohende Abstoßungsreaktionen hinweisen. Das Verfahren analysiert das im Blut des Empfängers zirkulierende Erbgut auf den Anteil von Spender-DNA. Wie Mediziner der kalifornischen Stanford University im Fachblatt "Science Translational Medicine" berichten, warnte der Test bei Herzempfängern bis zu fünf Monate früher vor Abstoßungsreaktionen als die bislang üblichen Biopsien.

Der Erfolg einer Transplantation hängt auch davon ab, wie das Immunsystem des Empfängers auf das fremde Körpergewebe reagiert. "Eine zuverlässige und zeitige Diagnose einer Abstoßungsreaktion ist für das Langzeit-Überleben von Organempfängern essenziell", schreiben die Forscher um Stephen Quake und Kiran Khush. Im Falle einer drohenden Abstoßung können etwa Medikamente das Immunsystem stärker dämpfen, mitunter ist auch eine zweite Transplantation erforderlich machen.

Bisher waren Biopsien nötig

Um das Risiko abzuschätzen, setzen Mediziner bislang auf Biopsien des betroffenen Organs.  Nach einer Transplantation müssen Empfänger zahlreiche Gewebeentnahmen über sich ergehen lassen. Diese sind nicht nur unangenehm und teuer, sondern bergen auch etliche Risiken. So können etwa am Herzen Rhythmusstörungen oder Verletzungen etwa an den Herzklappen auftreten.

Das Verfahren der Stanford-Forscher analysiert das Empfängerblut dagegen auf zirkulierende zellfreie DNA (cfdDNA; cell-free donor-derived DNA), die vom Organspender stammt. Hintergrund ist, dass vom Immunsystem abgetötete Zellen des Spenderorgans Erbgut ins Blut entlassen. Steigt im Blut der Anteil an Spender-DNA, deutet dies auf eine drohende Abstoßungsreaktion hin. Dass das Verfahren grundsätzlich funktionieren kann, hatten die Forscher schon zuvor in einer kleinen Studie an sieben Patienten gezeigt.

Nun prüften sie den Bluttest ausgiebig an 65 Herzempfängern - darunter 21 Kindern. Ihnen wurden 565 Blutproben und zum Abgleich 356 Gewebeproben entnommen. Dabei analysierten die Forscher das Erbgut auf zuvor ermittelte winzige Unterschiede zwischen Spendern und Empfängern. Der Bluttest ermittelte jene 24 Patienten, die später mittlere bis schwere Abstoßungsreaktionen zeigten - teilweise bis zu fünf Monate früher als die Untersuchung der Gewebeproben.

Patent beantragt

"Wir fanden heraus, dass dieser Test der zellfreien DNA akute Abstoßung sehr zuverlässig feststellen kann, manchmal Wochen bis Monate, bevor eine Biopsie irgendwelche Hinweise erkennt", wird Khush in einer Mitteilung ihrer Universität zitiert. "Dieses frühere Feststellen kann irreversible Schäden am verpflanzten Organ verhindern."

Die Forscher sehen in dem Verfahren, für das die Universität ein Patent beantragt hat, eine Möglichkeit, Herzempfängern viele Biopsien samt der damit einhergehenden Gefahren zu ersparen. Etabliere sich der Bluttest, seien Biopsien nur noch dann erforderlich, wenn das Resultat auffällig sei. Der Test lasse sich auch auf andere Organe übertragen. Zudem könne man mit einer einzigen Untersuchung zusätzlich auch Infektionen ermitteln.

"Dieser Test hat das Potenzial, den Umgang mit unseren Patienten zu revolutionieren", sagt Khush. "Er kann uns außerdem erlauben, mehrere diagnostische Tests gleichzeitig durchzuführen - etwa um Infektionen oder andere häufige Komplikationen auszuschließen."

n-tv Wissen Sonntag, 22. Juni 2014

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