5. Oktober 2012 – 30 Jahre Transplantation in Österreich
und erster großer Auftritt des Dachverband Organtransplantierte Österreich und der Initiative Green Ribbon

Die Festveranstaltung im Bundesministerium für Gesundheit bot einen würdigen Rahmen für dieses Ereignis, zu dem Transplantierte aus allen Bundesländern angereist waren. 

Im ersten Teil der Zusammenfassung lassen wir die Politiker zu Wort kommen:

Sektionschefin  Priv.Doz.Dr. Pamela Rendi-Wagner,

die in Vertretung von BMG Stöger die Veranstaltung eröffnete, informierte über Meilensteine im österreichischen Transplantationswesen aus der Sicht der Öffentlichen Hand:

Die gesetzliche Regelung für die Organspende wurde 1982 geschaffen, gilt heute noch, und diente auch als Grundlage für das neue Transplantationsgesetz, das demnächst vom Nationalrat beschlossen werden wird. (s.a. Beitrag dazu)

1991 wurde das Koordinationsbüro für das Transplantwesen (ÖBIG Transplant) gegründet und der Transplantationsbeirat etabliert. Die Eintragung im Widerspruchsregister ist seit 1995 möglich. Seit dem Jahr 2000 wird am Aufbau eines nationalen Netzwerks von TX-Referenten, TX-Koordinatoren und lokalen TX-Beauftragten gearbeitet. Förderprogramme sehen seit 1993 öffentliche Mittel zur Förderung der Organspende vor.

Sektionschef  Hon.Prof.Dr. Gerhard Aigner

gab Einblicke in die Entstehung des österreichischen TX-Gesetzes, an dem er maßgeblichen Anteil hatte und das ihm daher sehr am Herzen liegt.

Wie notwendig eine gesetzliche Grundlage für TX ist, wurde in den 70er Jahren deutlich. Einem toten 17-Jährigen wurde ein Knochen für eine Knochenbank entnommen, die Eltern prozessierten; der Prozess wurde wegen eines Formalfehlers der Eltern eingestellt. Die wichtige Folge für die TX war das §62 a-Gesetz, das dank der Unterstützung der Kirche und der Toleranz der Religionsgemeinschaften 1982 einstimmig beschlossen wurde. Seither unterstützen ÖBIG und  GÖG die TX. Die österreichische Widerspruchsregelung gilt nach österreichischem Recht, also auch für Ausländer in Österreich; Kritik gibt es hin und wieder. Was sich SC Aigner für die Zukunft wünscht:

  • soziale Absicherung von Lebendspendern
  • Dass der österreichische Spitzenplatz in der TX-Medizin erhalten bleibt – unter anderem auch durch mehr Spitäler für die Entnahme

Die Beiträge der Mediziner und Ethiker dazu folgen im nächsten Abschnitt.

Die Festveranstaltung im Bundesministerium für Gesundheit bot einen würdigen Rahmen für dieses Ereignis, zu dem Transplantierte aus allen Bundesländern angereist waren. 

Im 2. Teil der Zusammenfassung „Medizinische Perspektiven“ beschreiben Mediziner und Ethiker die Situation in Österreich:

Univ.Prof. Dr. Ferdinand Mühlbacher lässt die Geschichte des österreichischen Transplantationswesens Revue passieren. Dabei wird deutlich, welch herausragenden Beitrag österreichische Forscher und Mediziner geleistet haben. Damit wurde die Basis für die gute Versorgungslage und die Widerspruchslösung gelegt, die auch das Empfinden der Öffentlichkeit widerspiegelt.

Österreichische Pionierleistungen       Folie10.JPG

Der Theologe Univ.Prof. DDr. Walter Schaupp, Universität Graz, erwähnt in seinem Vortrag, dass die großen Religionsgemeinschaften in Österreich positiv zur Organspende stehen. Besonders in der katholischen Kirche hat in den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts ein Umdenken von „Selbstverstümmelung“ zu „Akt christlicher Nächstenliebe“ stattgefunden. In der Enzyklika „Evangelium Vitae“ von 1995 wird die Organspende befürwortet, wenn sie unter ethisch annehmbaren Bedingungen stattfindet.

siehe dazu auch die Stellungnahme der Diözesanbischöfe von St. Pölten und Linz, die aus aktuellem Anlass vom Verband heuer im Sommer eingeholt wurde und ist jetzt auf der Homepage nachzulesen.

Mit der zunehmenden Verbreitung asiatischer Religionen ändert sich bei vielen die Sichtweise von Sterben und Tod. Kulturelles Verständnis wird zunehmend wichtiger.

Mag.Dr. Maria Kletecka-Pulker, Universität Wien, berichtet, dass im Widerspruchsregister Ende 2011 insgesamt 24.011 Personen eingetragen sind, davon haben 21.260 ihren Wohnsitz in Österreich. Das sind nur 0,22 % der Bevölkerung.

Univ.Prof. Dr.Dr.h.c. Franz Gerstenbrand, Karl Landsteiner Gesellschaft, lässt die Geschichte der Entwicklung des Hirntodkonzepts Revue passieren.

Mag. Otto Postl von der GÖG berichtet über die Entstehung und die Aktivitäten der ÖBIG Transplant. Unter den Aktivitäten zur Förderung des Organaufkommens ist besonders die Installation lokaler TX-Beauftragter in 24 wichtigen Spitälern zu erwähnen.

Abschließend bietet Univ. Prof. Dr. Andreas Zuckermann einen Überblick über die Versorgungswirksamkeit anhand von Daten der ÖBIG und der Eurotransplant. Er betont, dass diese Daten zwar die numerische Versorgung beschreiben, dass nach seiner persönlichen Meinung zur Versorgungswirksamkeit auch das Patientenbefinden dazugehört. Die Statistiken zeigen, dass die Versorgungslage in Österreich insgesamt gut ist, Österreich in den letzten Jahren aber international zurückgefallen ist. Die Versorgungswirksamkeit ist nur möglich durch das Zusammenwirken und das Zusammenspiel aller daran Beteiligten - vor allem auch in Spitälern und Ambulanzen.

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Im Teil 3 geht es um Patienten-Perspektiven.

Da die Obfrau Liesl Netter aus gesundheitlichen Gründen verhindert war, skizzierte Ulf Ederer kurz und anschaulich Geschichte, Struktur und Ziele des Dachverbands Organtransplantierte Österreich:

In den Anfängen der TX wurden auf Initiative einzelner Personen Freundeskreise gebildet, die sich mit Unterstützung der Ärzte um die Anliegen gleich betroffener Transplantierter kümmerten. Heute gibt es in Österreich mehr als 50 solche Gruppen mit ca. 2200 Mitgliedern, die nach wie vor die wichtigen Anliegen wahrnehmen.

Um gemeinsame Interessen besser vertreten zu können und in der Öffentlichkeit mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, haben sich einzelne Gruppen zu Vereinen oder Arbeitsgemeinschaften zusammengeschlossen. Die Gründung des Dachverbands als Interessensvertretung aller Transplantierten ist die logische Weiterentwicklung. Dieser repräsentiert ca. 7000 Organtransplantierte, 1000 PatientInnen auf der Warteliste und 4000 DialysepatientInnen und deren Angehörige und stellt so eine von der Öffentlichkeit ernst zu nehmende Größe dar.

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In der anschließenden Fragestellung ans Podium „Was muss der DV tun, damit Organtransplantierte als eigenständige Patientengruppe mit spezifischen und individuellen Bedürfnissen wahrgenommen werden?“ gab es einige interessante Statements:

HR Dr. Günther Schuster vom Bundessozialamt:

  • Die Zahlen zeigen, dass es sich um eine große Kundengruppe handelt.
  • Er schlägt Zusammenarbeit mit Patientengruppen chronisch Kranker vor und sieht dabei Möglichkeiten für berufliche Integration
  • Dr. Schuster bietet Unterstützung an bei
    o   Diskriminierung am Arbeitsplatz
    o   Krisenhilfe
  • „Behindertenpass“ als Unterstützung für Sozialleistungen, Steuererleichterungen und für bessere Mobilität

 
Sektionschef Dr. Aigner rät

  • ·Wege in der gesetzlichen KV nutzen; Leute im Hauptverband haben offenes Ohr
  • ·Vieles geht in Fragen der KV, z.B. Rettung bringt TX-Patient nicht ins nächstgelegene KH, sondern in TX-Ambulatorium mit KV und Hauptverband diskutieren
  • Patientenanwaltschaften ausnützen, da sie einiges gerade für die Politik bewegen
  • Ministerium: KV, Patientenanwalt und Ministerium kontaktieren, wenn es etwas tun kann

Dr. Josef Kandlhofer,Generaldirektor des Hauptverbands der Sozialversicherungsträger musste sich leider aus terminlichen Gründen entschuldigen.

Die Moderatorin sieht Signale zur Zusammenarbeit und wertet dies als Erfolg.

Irene Turin

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