Narben und Narbenbehandlung
Claudia Zimmel informiert beim Themenabend in St. Pölten
Beim Themenabend am 3. April unter dem Titel „Atemphysiotherapie und Narbenbehandlung“ ist Claudia Zimmel, MSc vor allem auf das Thema Narbenbehandlung eingegangen. Sie ist Physiotherapeutin mit Zusatzausbildungen für Herz- und Lungen-Reha. Obwohl die meisten Mitglieder (Transplantations-)Narben haben, wussten nur die Wenigsten über die weitreichenden Möglichkeiten der Narbenbehandlung Bescheid.
Narben erzählen Geschichte
Unsere Narben – vor allem unsere Herz- und Lungentransplantation-Narben – zeugen davon, dass uns neues Leben geschenkt wurde. Aber jeder Mensch hat die eine oder andere Narbe – sei es von einer Blinddarmoperation, einem Kaiserschnitt, eine Operation an den Sehnen, ….
Vor allem bei diesen großen Operationen werden Haut, Muskeln, Nerven usw. durchtrennt. Die Heilung dauert und muss von innen heraus stattfinden. Eine Heilung kann bis zu einem Jahr dauern. Eine Narbe ist ein Ersatzgewebe für geschädigte oder verletzte Haut. Die Heilung einer Wunde endet erfolgreich mit dem Entstehen einer Narbe. Wird nur die äußerste Schicht der Haut verletzt – die Epidermis –, verheilt eine Wunde narbenfrei. Reicht eine Wunde tiefer in die Haut, entsteht bei der Wundheilung eine Narbe.
Eine Narbe ist weniger elastisch als der ursprüngliche Zustand der Haut. Narben können eben mit dem Hautniveau verlaufen, aber auch eingesunken oder erhaben sein. Genau für diese Arten ist eine Narbenbehandlung gut und sinnvoll.
Bei allen Verletzungen oder Operationen durchläuft das Gewebe unterschiedliche Wundheilungsphasen. Daran wird die Intensität der Narbenbehandlung angepasst.
1.) “Entzündungsphase”: Diese dauert etwa bis zum 5. Tag. Das Wichtigste ist die Blutstillung und die hygienische Versorgung der Wunde.
2.) “Proliferationsphase”: Diese dauert etwa bis zum 21. Tag. Es wird das Kollagen Typ 3 gebildet.
3.) “Umbauphase”: Diese dauert etwa bis zum 365. Tag. Das Kollagen Typ 3 wird in das Kollagen Typ 1 umgebaut. In dieser Phase ist die Narbenbehandlung besonders wichtig, damit dieser Prozess gut unterstützt wird.
Es gibt verschiedene Arten von Narben.
Danach richtet sich auch die Art der Behandlung.
• “Fibröse” Narben sind blass, weich und verschiebbar. Dies ist der Optimalzustand.
• “Sklerotische” Narben sind hart, unelastisch und schrumpfen.
• “Atrophe” Narben sind eingesunken.
• “Hypertrophe” Narben bilden zu viel Narbengewebe.
• “Keloide” überschreiten den Wundrand und bilden sich nicht zurück. Diese sind sehr selten.
Da Narben meist nahezu keine Melanozyten enthalten, sind sie häufig unpigmentiert und blass. Melanozyten sind Zellen, die den dunklen Hautfarbstoff Melanin bilden. Es gibt aber auch Narben mit vielen Pigmenten, meist sind dies ältere Narben. In einer Narbe befinden sich keine Haare, Talg- oder Schweißdrüsen. Manche Narben sind begleitet von Störungen in der Empfindung der Haut - Sensibilität, Schmerzen, Juckreiz oder Spannungsgefühlen.
Auch alte Narben profitieren von einer Narbenbehandlung.
Eine Narbenbehandlung kann manuell durch Massage- und Knettechniken, aber auch durch eine Akupunktmassagestäbchen erfolgen. Patientinnen oder Patienten können durch eine geeignete Behandlung und Pflege einer Narbe zur Heilung beitragen und verschiedene Pflegemaßnahmen selbst durchführen. Physiotherapeut/innen behandeln Narben am gesamten Körper. Die passende Behandlungstechnik wird an die Wundheilungsphase und die Art der Narbe angepasst. Es wird manuell (mit den Händen), mit einem APM-Stäbchen (kleiner Metallstift) oder mit Schröpfgläsern gearbeitet. Alle Behandlungen können mit oder ohne Öl durchgeführt werden. Man wird auch instruiert, wie man selbst die Narbe(n) behandeln kann.
Hierfür benötigt man einen ärztlichen Verordnungsschein für Physiotherapie.
Narben und Sonne
Narben müssen gut vor Sonne geschützt werden. Das kann auch der Bildung auffälliger Narben oder Hautveränderungen vorbeugen. Wegen der fehlenden oder kaum vorhandenen Pigmentierung der Narbe hat die Haut hier kaum natürlichen Schutz gegen UV-Strahlung. Das Bedecken der Narbe mit z.B. Kleidung und/oder das Auftragen von Sonnenschutzmitteln ist sehr wichtig. Darauf sollte drei Monate nach Narbenbildung besonders geachtet werden.
Claudia Zimmel, Silvia Scholz
Infokasten:
Physiotherapeutin Claudia Zimmel, BSc
St. Pölten
www.physiozimmel.at
Foto: claudiazimmel.jpg
Foto: Schröpfen.jpg
Bildtext: Eveline hat gleich mal bei Franz das Schröpfen ausprobiert.
Foto: Gruppe.jpg
Bildtext: Ein interessanter und auch lustiger Abend im Gasthaus Winkler zum Thema Narbenbehandlung.