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Die Transplantation der Lunge ist ein heikler Eingriff: Das Risiko der Abstoßung ist groß. Wie Organe vom Spender zum Empfänger kommen und wie es Patienten nach dem Eingriff geht.

 Von Sonja Krause | Kleine Zeitung

1. Was sind die Voraussetzungen, damit ein Patient eine Spenderlunge bekommt?

Laut Peter Jaksch vom Transplantationsteam am AKH Wien sollten die anderen Organe des Patienten gesund sein, damit er für eine Lungentransplantation geeignet ist. „Es kommt nicht so sehr auf das numerische Alter als auf den körperlichen Zustand an“, sagt Ludwig Müller, der das Lungentransplantationsprogramm der Uniklinik Innsbruck leitet. Eine Transplantation werde jedenfalls nur dann gemacht, wenn der Patient durch den Eingriff eine bessere Lebensqualität bekomme.

2. Sind Vorerkrankungen, wie bei Niki Lauda, ein Ausschlusskriterium?

Niki Lauda hat bereits zwei Nieren transplantiert bekommen – eine Situation, die laut Jaksch naturgemäß selten ist. Einerseits erhalte Lauda dadurch bereits Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, was das Risiko für die Abstoßung der neuen Lunge senken könne – andererseits stellen die Vorerkrankungen natürlich ein zusätzliches Risiko dar. Ein Ausschlusskriterium seien die transplantierten Nieren nicht gewesen, der Patient „normal belastbar“.

Die Abstoßungszahlen sind bei der Lunge auch deutlich höher als bei anderen Organen.
Peter Jaksch vom Transplantteam am AKH Wien

3. Wie riskant ist die Transplantation einer Lunge?

Laut Müller sei eine Lungentransplantation, die im Schnitt sechs bis acht Stunden dauert, nicht schwieriger als andere Eingriffe an der Lunge – was die Operation jedoch verkompliziere, ist, dass der Patient dabei an eine Art Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden muss. Die Maschine hält den Kreislauf aufrecht. „Die Abstoßungszahlen sind bei der Lunge auch deutlich höher als bei anderen Organen“, ergänzt Jaksch. Das liege daran, dass die Lunge eine zentrale Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern spiele. Dementsprechend muss das körpereigene Immunsystem stark gedrosselt werden, um das Organ nicht abzustoßen. Dadurch steigt aber wiederum das Risiko für Infekte – „die richtige Einstellung ist eine ständige Gratwanderung“, sagt Jaksch.

4. Wie werden Spenderorgane vergeben?

Österreich ist Mitglied bei Eurotransplant: Jedes Spenderorgan und jeder wartende Organempfänger wird bei der Organisation gemeldet. Die Patienten werden vor allem nach Dringlichkeit gereiht: „Der ,kränkeste‘ Patient bekommt als erster ein Organ“, sagt Jaksch. Bei der Lunge müssen Blutgruppe und Körpergröße von Spender und Empfänger zusammenpassen. Weiters spielt die regionale Nähe eine Rolle, um Transportwege kurz zu halten. „Eurotransplant achtet auch darauf, dass die Mitgliedsländer etwa gleich viele Organe importieren, wie sie exportieren“, sagt Birgit Priebe, Transplant-Zuständige bei Gesundheit Österreich.

5. Was sind die häufigsten Ursachen für eine Lungentransplantation?

Chronische Lungenkrankheiten wie die COPD, die vor allem langjährige Raucher betrifft, die angeborene Lungenkrankheit Mukoviszidose oder die Lungenfibrose, bei der die Lunge „schrumpft“, sind die häufigsten Ursachen. Auch bei akuten Lungenerkrankungen, wie Entzündungen, kann die Transplantation der letzte Ausweg sein, wenn Patienten nicht mehr anders beatmet werden können.

Die meisten Patienten können aber ein normales Leben führen.
Peter Jaksch

6. Wie sieht das Leben nach der Transplantation aus?

Nach der Operation verbleiben Patienten einige Tage auf der Intensivstation – „so kurz wie möglich“, sagt Jaksch, denn das Ziel sei, die Betroffenen so schnell wie möglich wieder mobil zu machen. Auf die Zeit im Krankenhaus folgt ein Reha-Aufenthalt, „üblicherweise sind Patienten zwei Monate nach der Operation wieder zu Hause“, sagt Jaksch. Laut Müller könne es bei komplizierten Verläufen aber auch viel länger dauern. Im ersten Jahr nehmen Patienten bis zu 20 Tabletten täglich ein, um die Abstoßung zu verhindern. Die Medikamente werden mit der Zeit weniger, doch das Immunsystem muss ein Leben lang unterdrückt werden, Patienten müssen sich vor Krankheitserregern schützen. „Die meisten können aber ein normales Leben führen“, sagt Jaksch.

Herzlichen Dank an die Kleine Zeitung und Frau Mag. Sonja Krause (Redakteurin) für die Freigabe zur Verwendung des Beitrages.
Zum Originalartikel vom 4. August 2018 auf den Seiten der Kleine Zeitung.
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