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„Der Patient steht im Mittelpunkt!“:

Besichtigung des Sandoz- Werkes in Kundl am 30. September 2011 

 

Gemeinsam mit einigen Mitgliedern der Nephro- Tirol trafen wir uns von der Herz- Lungen- Selbsthilfegruppe am Freitag, 30. September 2011 um 14.00 Uhr beim Portier Ost des Sandoz- Werkes in Kundl.

Nach dem herzlichen Empfang durch einige der knapp 3000 Mitarbeiter/innen von Sandoz Kundl (bitte mir zu verzeihen, dass ich die Namen nicht mehr weiß) und Frau Walter- Kemkes, die für die Organisation unseres Besuches verantwortlich war, wurden wir ins Landhaus geführt.

Frau Ager- Gruber vermittelte uns in ihrer Einführung einen guten Einblick über die Mutterfirma Novartis und deren Generika- Tochter Sandoz GmbH.

Novartis mit Sitz in Basel, einer der größten Pharmakonzerne weltweit, entstand 1996 aus einer Fusion von Ciba- Geigy und Sandoz und ist heute mit 120.000 Mitarbeitern weltweit in 140 Länder tätig.

Sandoz mit Sitz in Holzkirchen im Süden von München ist firmenintern auf die Herstellung von Generika spezialisiert, exportiert weltweit in 130 Länder und versorgt damit ca. 1 Milliarde Patienten mit Penicillin. Da die beiden Tiroler Werke in Kundl und Schaftenau über hochmoderne Produktionsanlagen verfügen, haben sie sich außerdem zu Kompetenzzentren für biotechnologisch schwer herstellbare Generika,  Antibiotika und Biosimiliars (Nachfolgeprodukte der Biopharmazeutika) entwickelt.

Anschließend an diese Ausführungen von Frau Ager- Gruber berichteten uns Herr Christian Neyer, Pflegedienstleiter der Chirurgie, und Herr Harald Mair, Bereichsleiter der Intensivstation der Transplantationschirurgie in ihrem Vortrag mit dem Titel „20 Jahre Transplantationschirurgie Innsbruck aus pflegerischer Sicht“ interessante Einzelheiten: Die transplantationschirurgische Station wurde 1991 von Prof. Margreiter eröffnet, um transplantierte Patienten besser versorgen zu können. Im Vergleich zu den Anfängen haben sich einige Dinge wesentlich verändert:

Patienten können, mit Ausnahme der Herztransplantierten wegen der Biopsien, schon nach 10-14 Tagen in ein regionales Krankenhaus verlegt werden;

Patienten und Besucher unterliegen keinen besonderen Regelungen mehr bzgl. Besuchsmodus, Ausgang;

Bei den Nierentransplantierten gibt es eine viel höhere Spenderzahl seit der Einführung des „old to old- Programms“;

Ganz allgemein ist das Alter und damit die Notwendigkeit der individuelleren Betreuung gestiegen;

In der medikamentösen Versorgung gab es einen riesigen Fortschritt: es stehen mittlerweile viele verschiedene Medikamente zur Verfügung, die miteinander kombiniert werden können, üblicherweise ist es nach wie vor eine Zweierkombination.

Unverändert geblieben sind die Auswahlverfahren, die Voruntersuchungen, der Mangel an Spenderorganen, die Aufenthaltsdauer bei den Herztransplantierten, die Nachsorge.

Bei Kaffee und Kuchen konnten wir noch Fragen stellen und uns für die darauffolgende Führung stärken.

Die Werksführung begann beim Portier Ost im ursprünglichen Gebäude der Brauerei der Brau AG. Als 1946 ein französische Offizier einen Ort suchte, in dem er die notwendigen Antibiotika zur Versorgung der Tiroler Bevölkerung suchte, boten sich die stillgelegten Räumlichkeiten der Brauerei an, da die vorhandenen Fermentationsanlagen mit wenig Aufwand umgebaut werden konnten. 1948 verließen die ersten Ampullen das Werk, drei Jahre später gelang der wesentliche Durchbruch durch die Entwicklung des säureresistenten Penicillin V, das seither in Tablettenform verabreicht werden kann.

Im Sozialgebäude konnten wir uns an einem Modell ein Bild von der Größe des Werks und von der  Lage der verschiedenen Gebäude machen. Unter einem riesigen Netzwerk von Rohren gingen wir weiter zum Bau 210, wo sich die Gruppe teilte: ein Teil besichtigte zuerst Bau 210 und dann Bau 220, der andere Teil machte das umgekehrt. Im Bau 220 befindet sich eine Fermentationsanlage für Biopharmaceuticals und Biosimiliars, eine neue, zur Gänze geschlossene Anlage, die vom reinen Edelstahl und vor Sauberkeit glänzt. Der Geruch erinnerte mich sehr an den der beiden Brauereien in Innsbruck, als diese noch in Betrieb waren. Die Fermentatoren zur Herstellung der    biochemischen Rohstoffe sind um vieles kleiner als die für die chemischen Pharmazeutika (z.B. der Antibiotika).

In Bau 210 erklärte uns Herr Riesner zuerst anhand von Bildern die Herstellung des Ciclosporins, dem Wirkstoff des Medikamentes „Sandimmun“. In Kundl wird aus Pilzen und verschiedenen Zusatzstoffen ein brauner Brei fermentiert, aus dem durch verschiedene chemische Verfahren  ein weißes Pulver hergestellt wird. Weiterverarbeitet wird es in Irland. In der Schweiz presst man den Wirkstoff in die uns bekannten Weichkapseln, verpackt sie in Schachteln und versendet sie. Die Halle, in der die verschiedensten Behälter stehen,  ist von einem Kontrollraum überschaubar und die vollautomatische Produktion wird rund um die Uhr von Mitarbeitern an Bildschirmen überwachst.

Spannend, wie unser lebenserhaltendes Medikament hergestellt wird. Der Anblick und der Gedanke daran erfüllt mich immer wieder mit Dankbarkeit! 

Zurück beim Eingang verabschiedeten wir uns von unseren Sandoz- Führern und bedankten uns für die tolle Organisation, den lehrreichen Nachmittag und die gute Verpflegung.

Similde Doldi