Gespräch mit Univ.-Dozent Dr. Gerhard Pölzl

Ein langer Gang im 2. Stock des betagten Gebäudes hinter dem Medizinzentrum Anichstraße. Ärzte und Pflegepersonal eilen hin und her, ca. 20 Leute sitzen drin. Hier befinden sich die Ambulanzen der Klinischen Abteilung für Kardiologie, Primar Univ.Prof. Dr. Otmar Pachinger. Eine davon ist die HTX-Ambulanz, das Zentrum der Herztransplantierten-Nachsorge an der Uni-Klinik Innsbruck. Man sieht es der unscheinbaren Umgebung nicht an, dass hier medizinische Betreuung auf höchstem Niveau geboten wird.

Univ.-Dozent Dr. Gerhard PölzlIn der HTX-Ambulanz sind regelmäßig 3 Ärzte tätig, der Chef Univ.Doz. Dr. Gerhard Pölzl, Univ.Ass. Dr. Matthias Frick und ein Arzt in Ausbildung, der jedes Jahr wechselt, sowie ein wissenschaftlicher Assistent. Betreut werden regelmäßig ca. 150 Patienten aus den westlichen Bundesländern und aus dem nahe liegenden deutschen und italienischen Einzugsgebiet.

Die HTX-Ambulanz hat 2 Aufgabenschwerpunkte:
1. Evaluation und Betreuung von Kandidaten für die Herztransplantation.
2. Die Betreuung transplantierter Patienten ab einem Jahr nach der Transplantation.

Im ersten Jahr befinden sich die Patienten in der Obhut der Herzchirurgie, mit der in beiden Aspekten eng zusammen gearbeitet wird.

Zentrales Thema der Nachbetreuung ist natürlich das Langzeit-Überleben bei guter Lebensqualität. Dazu ist neben der routinemäßigen Bestimmung der Blutwerte und der entsprechenden Medikation vor allem die optimale Einstellung der kardiovaskulären Risikofaktoren notwendig:
Hoher Blutdruck, Blutfette, Diabetes mellitus und vor allem Nikotin-Konsum begünstigen die Entstehung von Graftsklerose und wirken sich auf die Langzeit-Prognose ungünstig aus.

Geforscht wird vor allem auf dem Gebiet der Transplantvaskulopathie, einer krankhaften Veränderung der Herzkranzgefäße als Folge der Transplantation. Besonderen Wert legt Doz. Dr. Pölzl auf die Entwicklung neuer Untersuchungsmethoden z.B. den intravaskulären Ultraschall, der über die übliche Angiographie hinausgeht. Mit einem speziell entwickelten Auswerte-Programm kann das Auftreten und die Beschaffenheit von Ablagerungen in den Gefäßen wesentlich besser als mit der normalen Kontrastmittel-Angio bestimmt und die nötigen medikamentösen Maßnahmen getroffen werden. Seit dem Jahr 2000 wird diese Untersuchung regelmäßig vorgenommen. (s.a. Vortrag Symposium Linz vom 2.6.) Daneben ist der Ausbau des Tumor-Screening ein wichtiges Anliegen, wir sind doch von einem deutlich erhöhten Krebsrisiko betroffen.

Was liegt den Ärzten in der Nachbetreuung am Herzen, was würde ihnen die Arbeit erleichtern?
Wichtig für die richtige Medikamenteneinstellung ist:

  • Nüchtern kommen (kein Sandimmun, kein Prograf, kein CellCept, kein Certican, kein Rapamune!) und exakt berichten.
  • Nicht aufzählen, was verschrieben wurde – das wissen die Ärzte ohnehin selber – sondern was wirklich eingenommen wird!
  • Die Checkliste der begleitenden Untersuchungen beachten, sie regelmäßig machen lassen und Befunde mitbringen!

Doz.Dr. Pölzl betont, dass die Kooperation und der Erfahrungsaustausch mit den anderen Uni-Kliniken hervorragend funktioniert – das ist nicht immer selbstverständlich. Im Rahmen der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft, Arbeitsgruppe Herzinsuffizienz, wird intensiv zusammengearbeitet. Eine Folge der guten Kooperation ist die Erstellung eines Leitlinien-Papiers, das die Betreuung von Transplantierten österreichweit vereinheitlichen soll und auch Landeskrankenhäusern eine gute Nachsorge möglich macht. Der Vorteil liegt auf beiden Seiten: Die Patienten brauchen nicht mehr so lange Anfahrtsund Untersuchungszeiten auf sich zu nehmen, die Uni-Kliniken können sich zunehmend auf Krisenmanagement konzentrieren und besseres Service anbieten. Routinemäßige Nachkontrollen sind bereits jetzt in einer Reihe von Nicht-Transplantationszentren wie Linz, Klagenfurt, Salzburg, St. Johann i.T. und Feldkirch möglich; weitere Zentren sollen folgen. Es ist zu hoffen, dass dieses Beispiel auch bei anderen Organen Schule macht.

Neben dem medizinischen Aspekt ist das gute Service ein Anliegen:
Kurze Wartezeiten, ein reibungsarmer Ablauf der Untersuchungen und ein ausführlicher Bericht an den Hausarzt schonen die Nerven der Patienten. Danke!

(Artikel von DI Ulf Ederer, veröffentlicht in alive! Nr. 11)


Welche Kontrolluntersuchungen brauche ich und wie häufig?

  • 1x im Jahr Kontrolle beim Hautarzt
  • 1x im Jahr Kontrolle beim Frauenarzt (einschließlich Mammographie) oder beim Urologen (einschließlich PSA)
  • 1x im Jahr Stuhl auf Blutbeimengung
  • 1 x im Jahr Ultraschalluntersuchung des Bauches
  • 1 x in 2 Jahren Osteodensitometrie (Knochendichtemessung)
  • 1 x in 2 Jahren Wirbelsäule-Röntgen (alternierend mit Osteodensitometrie)

Sonstiges:
Bitte die Befunde immer zur Kontrolluntersuchung in Innsbruck mitbringen - danke!

Mit freundlichen Grüßen,
Ihre Herzinsuffizienz und Herstransplantations-Ambulanz Innsbruck