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Villa Urbana, CarnuntumEine Reise in die Vergangenheit

Am 02.07.2008 unternahmen wir, die SHG NÖ unter Führung von Maria Balogh, gemeinsam mit der SHG Wien einen Ausflug nach Petronell – Carnuntum und in die Storchenstadt Rust am Neusiedlersee.

Fotoalbum

Unsere Reise begann in St.Pölten, kurz nach 07.00 Uhr, bei strahlendem Wetter (ja wenn Engerl reisen...)in einem sehr komfortablen, klimatisierten Bus der Firma Berger aus Scheibbs. Der Bus wurde von „Mustafa“ gelenkt.
Unsere erste Etappe war Wien –St.Marx, wo die Wiener Gruppe unter Anita Rickl schon ungeduldig wartete, nur leider bei einer andren Zufahrt. Nach einigen Telefonaten (es lebe das Handy) fanden wir doch noch zusammen. Es stiegen dann unsere Verbandsobfrau Liesl Netter, Anita Rickl (SHG Wien), die beiden Organisatoren der Reise, Elisabeth Göttlicher und Helmut Rohatsch, sowie zahlreiche Teilnehmer ein.
Die Fahrt ging dann zu unserem ersten Ziel nach Petronell-Carnuntum, zum Archäologiepark. Nach einer kurzen Rast in der „Legionskneipe“ begann dann unsere Führung durch die einzigartigen Ausgrabungen. Da unsere Gruppe aus über 35 Personen bestand, wurden wir in zwei Gruppen geteilt. Erwartet wurden wir von einer sehr hübschen, jungen Frau, die standesgemäß in eine weiße Tunika gekleidet war. Wie sich gleich herausstellt war sie nicht nur hübsch sondern auch äußerst sachkundig. Sie gab uns vorerst einen Überblick über die römische Geschichte und den Beginn der Besiedelung durch die Römer in Carnuntum. Vor rund 2000 Jahren wurde diese Metropole unter dem Feldherrn Tiberius gegründet. Die Stadt lag am Schnittpunkt zwischen der Bernsteinstrasse und der Limesstrasse. Carnuntum war bis zum 5. Jahrhundert als Hauptstadt der Provinz Oberpannonien immer wieder im Blickpunkt der großen Weltpolitik. Hier wurden auch römische Kaiser ausgerufen Mit dem Ende der römischen Vorherrschaft verfiel auch Carnuntum.
Carnuntum bestand aus zwei Teilen: der Militärstadt und der Zivilstadt. In der Militärstadt waren ausschließlich die Legionäre untergebracht. Diese mussten 25 Jahre dienen, dann wurden sie, falls sie es erlebten, zu Bürgern Roms. Das Lebensalter betrug damals 35 Jahre. Wie uns unsere Führerin erklärte musste jeder Legionär täglich 4 Knollen Knoblauch und 1 Knolle Zwiebel verspeisen. Der sich daraus ergebende „Duft“ muss umwerfend und ihre Feinde alleine dadurch schon in die Flucht geschlagen haben.
Bei ihren Märschen mussten die Legionäre außer ihrer Ausrüstung und Bewaffnung auch Proviant und Teile des Mannschaftszeltes tragen. Das Gewicht betrug, man höre und staune, 45 Kilo, damit mussten sie pro Tag 30 Kilometer marschieren. Wie müssen diese Soldaten trainiert und ausdauernd gewesen sein.
Nach dieser Einführung besichtigten wir das originalgetreu nachgebaute Haus des Tuchhändlers Lucius. Hier bekamen wir nicht nur Einblicke in den Tagesablauf eines Tuchhändlers, sondern auch in die Wohnräume, die Küche und Nebengebäude. Es wurde uns erklärt, dass die Römer sehr viele Kräuter für ihre Speisen verwendet haben. Die verschiedenen Arten befinden sich auch heute in der Küche. Ebenso verschiedenes Obst. Aus dem wurden Auszüge zum Süßen hergestellt. Zum Würzen der Speisen wurde auch Fischsauce verwendet. Für diese wurden die Fischabfälle wie Köpfe, Innereien usw. verwendet. Sie wurden in einen Behälter mit Flüssigkeit gegeben und dort vergoren. Danach wurden wurde das Ergebnis ausgepresst und verwendet. Welch herrliche Geschmack und Geruch muss dass ergeben haben!!!
Vor dem Haus des Lucius sind sorgfältig angelegte Kräutergärten zu sehen. Hier werden alle Kräuter gezogen, die die Römer verwendet haben.
Vom Haus des Lucius aus gingen wir vorbei an den Ausgrabungen eines Wohnhauses zur Therme. Hier betrieben die Römer ihre Körperpflege, in ihren Häusern waren dafür nichts vorgesehen. Es handelt sich hier um ein Bad mit drei Stationen: Im Vorraum wurden die Kleider ablegt und bewacht, weil diese sehr gerne gestohlen wurden. Im ersten Becken betrug die Wassertemperatur 25 Grad, im zweiten 30 Grad und im dritten 35 Grad. Das Wasser wurde monatlich gewechselt und dabei auch die Becken gereinigt. Das Wasser wurde durch Kanäle entsorgt. Anschließend an die Therme befand sich die öffentliche Bedürfnisanstalt. Hier saßen Männer und Frauen, verrichteten ihr Geschäft und unterhielten sich. Gereinigt haben sie sich mit einem Schwamm, den sie in einem vorbei fließenden Rinnsal befeuchtet haben. Eine Etage tiefer waren Arbeiter oder Sklaven damit beschäftigt, die Exkremente in einen Kanal zu schaufeln. Bei dieser Tätigkeit hörten sie die oberhalb geführten Gespräche der Römer mit und erfuhren so manches Geheimnis, welches sie gegen gute Bezahlung verkauften. Aus dieser Zeit dürfte auch der Ausdruck „Latrinengerüchte“ stammen.
Über die Steinstrasse gingen wir dann zum schönsten und prächtigsten Bauwerk, eine wieder aufgebaute Stadtvilla, die Villa Urbana. Hier erhielten wir Einblicke in die luxuriöse Lebensweise der römischen Oberschicht. Die farbenprächtigen Wandmalereien sind einzigartig. Die groß angelegten Zimmer sind mit herrlichen Möbeln ausgestattet. Beschreiben lässt sich die Villa nur schwer, man muss sie gesehen haben. Alle Wohnräume sind mit einer Fußbodenheizung ausgestattet.
Abschließend gingen wir an den Ausgrabungen der Häuser 4 und 5 vorbei. Hier wird fleißig ausgegraben und Grundmauern wieder hergestellt. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass in Carnuntum erst 0.5% der Gesamtfläche ergraben sind. Was mag noch alles unter der Erde verborgen sein?
Nach rund 2 Stunden war unsere Führung leider schon zu Ende. Unsere „Römerin“ verabschiedete sich von jedem Teilnehmer mit Handschlag und dem römischen ‚Abschiedsgruß. Tief beeindruckt aber auch sehr nachdenklich verließen wir die Ausgrabungsstätte.
Nun fuhren wir weiter in die Storchenstadt Rust. Diese Bezeichnung besteht zu recht: fast auf jedem Haus mit einem Kamin befindet sich ein Storchennest und darin 2 – 3 Jungstörche. Wenn die Storcheneltern von der Futtersuche zurückkommen, beginnen sie und die Storchenkinder mit lautstarkem Geklapper um Futter zu fordern. Da es bereits Mittagszeit war und alle Hunger und Durst hatten, besuchten wird die „Römerzeche“. Hier haben wir sehr gut gespeist. Nach dem wir uns gestärkt und die Lebensgeister wieder geweckt waren, fuhren wir zum Neusiedlersee. Etliche Unentwegte legen die Strecke trotz der großen Hitze zu Fuß zurück, alle Achtung vor der Ausdauer dieser Marschierer wobei sich viele Transplantierte befanden. Nun unternahmen wir eine 1stündige Bootsfahrt auf dem Neusiedlersee, dem Meer der Wiener, dass zwischen 0.5 und 1.5 m tief ist.
Anschließend besuchten wir in Rust einen Heurigen. Dieser hätte seinem Ambiente nach aus der Römerzeit stammen können, Tische und Sitzgelegenheiten sahen aus, als wären sie gerade ausgegraben worden. Daher haben wir einen anderen Buschenschank gesucht und auch gefunden, wo wir alle gut essen und trinken konnten. Für die Jause ist der Verband aufgekommen, herzlichen Dank dafür.
Kurz nach 19.00 Uhr traten wir die Heimreise an. Ein schöner, interessanter aber auch ein sehr heißer Tag neigte sich damit dem Ende zu. Er hat uns viele interessante und lehrreiche Erkenntnisse gebracht. Es wurden viele Bekanntschaften mit Teilnehmern der SHG Wien geschlossen, aus denen sich wahrscheinlich Freundschaften entwickeln werden. Auch wurden viele Erfahrungen ausgetauscht.
Im Namen der beiden SHG Niederösterreich und Wien möchte ich mich bei den beiden Organisatoren der Reise, Frau Elisabeth Göttlicher und Herrn Helmut Rohatsch, herzlich bedanken. Sie haben die Reise zusammengestellt und auf ihre Kosten erkundet. In der heutigen Zeit nicht immer selbstverständlich. Nochmals vielen Dank an beide Personen.

(Adolf Schnabl)

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