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Nicht nur die Kur muss erneuert werden, sondern auch das Bewusstsein der Österreicher für ihre Gesundheit.

Die Kur braucht eine Kur. Peter Mcdonald, der Chef des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger, spricht sogar von einem "Quais-Urlaub". sieht man einmal davon ab, dass jede Kur von Arzt, der bei der Sozialversicherung angestellt ist, genehmigt werden muss und dass Mcdonald seinen eigenen Angestellten nicht unterstellen will, ungerechtfertigt Kuren zu bewilligen, spricht er mit seiner Kritik eines der Grundprobleme des österreichischen Gesundheitswesens an. Dieses ist viel zu sehr auf die Reparatur von leiden ausgerichtet und viel zu wenig auf Prävention. Daher will McDonald die Kur so gestalten, dass die Menschen dabei verstärkt angehalten werden, ihre ungesunde Lebensweise zu ändern.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Die Österreicherinnen und Österreicher werden zwar immerälter, allerdings nicht gesund. Die Bürgerinnen und Bürger in diesem Land werden um 1,5 Jahre früher ernsthaft krank als der durchschnittliche Europäer. In Österreich wird mehr geraucht als in anderen Ländern, mehr Alkohol getrunken und ungesünder gegessen. Dazu machen die Österreicherinnen und Österreicher zu wenig Bewegung. All das ist bekannt, interessiert aber nicht allzu viele Menschen. Dies, obwohl ein ungesunder Lebensstil für den Ausbruch vieler Krankheiten, von Diabetes bis zu Herzinfarkten und Krebs, verantwortlich ist. Würden die Österreicher bewusster leben, bliebe ihnen viel persönliches Leid erspart und dem Gesundheitssystem massive Kosten.

Dass die Menschen ungesund leben, ist kein Naturgesetz. Gesünder leben kann man lernen und man kann es fördern. Dies nicht nur durch rigide Verbote und Eingriffe in die persönliche Lebensführung. Erst vor Kurzem hat ein Projekt der gewerblichen Sozialversicherung das bewiesen. Dabei wurde Versicherten, die bei einem Arztbesuch einen Selbstbehalt entrichten müssen, dieser zur Hälfte erlassen, wenn sie mit ihrem Mediziner bestimmte Gesundheitsziele vereinbarten und diese auch erreichten. Der Zuspruch war enorm. Ein Modell, das sich durchaus auf viele andere Vorsorgeuntersuchungen im Gesundheitssystem anwenden ließe.

Die Debatte über die Kur ist daher viel mehr als einen Neiddebatte, wie sie der Chef des ÖGB nannte. Sie ist eine Erinnerung daran, dass man für seine Gesundheit zu einem großen Teil selbst verantwortlich ist. Wie heißt es so schön: Die Gesundheit ist zwar nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.

Alfred Pfeiffenberger/Salzburger Nachrichten