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Ein hirntoter Mensch wirkt nicht wie ein Leichnam. Das ist nur eine der emotionalen Schwierigkeiten für die Angehörigen.


Stellen Si sich vor, Sie haben soeben auf der Intensivstation erfahren, dass ihr Kind oder Ihr jugendlicher Sohn, Ihre jugendliche Tochter nicht mehr zu retten ist. In diesem Schmerz, in dieser Verzweiflung tritt ein Arzt, eine Ärztin an Sie heran mit der Frage: Dürfen wir bei Ihrem Verstorbenen Organe entnehmen, sie können andere Menschenleben retten.

Das ist die extreme Belastung, unter der Angehörige von möglichen Organspendern stehen. Dazu kommt, dass ein hirntoter Mensch nicht blass und kalt ist "wie ein Leichnam". Sein Kreislauf ist durchblutet, seine Haut ist rosa, durch die künstliche Beatmung senkt und hebt sich sein Brustkorb. Diese scheinbaren "Lebenszeichen" erschweren es zusätzlich, die Endgültigkeit diese Todes anzunehmen.

Das ist die eine Seite. Die andere wird an den jüngsten Zahlen aus Salzburg deutlich. Im Jahr 2014 konnten Organe von 26 Hirntoten entnommen werden. 88 Empfänger, die dringend auf ein Spenderorgan gewartet haben, wurden damit versorgt. Für 43 war das Implantat unmittelbar lebensrettend.

Auch wenn die Universitätsklinik Innsbruck unlängst damit Aufsehen erregte, dass einem Patienten ein rein mechanisches Herz eingesetzt wurde- de facto ist die Medizin so weit, dass sie lebenswirchtige Organe wie Herz, Niese, Leber oder Lunge auf Dauer künstlich ersetzen könnte: Nierenpatienten, die jahrelang an der Dialyse hängen, oder Herzpatienten, die keine drei Stufen ohne größte Atemnot steigen können, sind auf Spenderorgane angewiesen.

Rechtlich gilt in Österrreich dafür die Widerspruchsregelung. Die heißt auf gut Österreichisch: Wer nicht dagegen ist, ist dafür. Konkret: Wer sich nicht - wie 28.875 Personen - im Widerspruchsregister eingetrgen hat, gilt als möglicher Organspender. Theoretisch müssen die Mediziner die Angehörigen nicht einmal fragen. Es ist aber nur klug und weise, dass sie es tun. Jedesdieser "Worst-Case"-Gespräche ist wichtig für das öffentliche Klima in dieser Frage.

Dazu gehört, dass im Ernstfall auch ein Nein der Angehörigen ohne Wenn und Aber akzeptiert wird. Potenzielle Organspender und ihre Angehörigen müssen darauf vertrauen können, dass das Beste für sie geschieht - und wenn es möglich ist, für andere. Die Skandale, die bei der Zuteilung von Organen in Deutschland bekannt wurden, sind Anlass genug höchst behutsam und transparent vorzugehen.

Klar ist auch: Es gibt keine ethische Verpflichtung zur Organspende. Sie ist ein Geschenk. Eines, das Leben rettet. Das ist der alles entscheidende Punkt.

Salzburger Nachrichten/Josef Bruckmoser