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Die Mehrheit aller tödlichen Herzinfarkte in Deutschland betrifft Frauen, berichtet der deutsche Mediendienst obx-medizindirekt. Was sind die Ursachen? Was lässt sich dagegen tun?

Obwohl der Herzinfarkt immer als typische Erkrankung der Männer, insbesondere der forschen Managertypen galt, sind in Deutschland inzwischen mehr als 130.000 Frauen jährlich vom Herzinfarkt betroffen. Und was noch schlimmer ist: Mehr als die Hälfte von ihnen überleben den ersten Infarkt nicht. Damit ist die Überlebenschance von Frauen deutlich geringer als die von Männern.
Der wichtigste Grund dafür ist, dass Frauen zu wenig über Risikofaktoren und Symptome, über Herzschutz im Alltag und herzgerechte Ernährung erfahren. Damit könnten allerdings mehr Leben gerettet werden als mit allen Herz- und Kreislaufmedikamente zusammen.

Frauen brauchen andere Informationen als Männer

Männern wird seit 30 Jahren erfolgreich ins Gewissen geredet, ihre Risikofaktoren für Herzinfarkt zu verringern. Mit gutem Ergebnis: Seit 1985 ist die Zahl der Infarkte bei deutschen Männern um 25 % zurückgegangen. Bei Frauen ist sie dagegen fast gleich geblieben. Aber die Zunahme der Herzinfarkt- und Sterberate bei Frauen ist nicht nur auf fehlende Information zurückzuführen. Es gibt auch verschiedene Risikofaktoren, die bei Frauen erheblich schwerer wiegen als bei Männern.

  • Frauen, die rauchen und gleichzeitig die Anti-Baby-Pille nehmen, haben ein 20 Mal höheres Infarktrisiko als Nichtraucherinnen – das wissen vor allem jüngere Frauen kaum.
  • Berufstätige Frauen sind durch ihre Doppelrolle in Beruf und Familie einer viel höheren Stressbelastung als Männer ausgesetzt.
  • Bei Frauen erhöht sich das Risiko bei erhöhten Triglyzeriden etwa doppelt so stark wie bei Männern. Auch niedrige Werte des „guten Cholesterins HDL“ wirken sich bei ihnen negativer aus.
  • Diabetikerinnen sind sechsmal stärker als gesunde Frauen durch Herzinfarkt bedroht – und damit doppelt so sehr wie Männer.
  • Frauen werden nach erlittenem Herzinfarkt durchschnittlich 30 Minuten später in ein Krankenhaus gebracht als Männer. Dabei kommt es beim Infarkt auf jede Minute an. Daher sterben auch mehr Frauen als Männer mit Herzinfarkt vor dem Erreichen des Krankenhauses.

 

Inzwischen bezeichnen Ärzte das Zusammentreffen der Risikofaktoren Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörung bei Frauen als „tödliches Quartett“.

Allerdings lassen sich die meisten der gravierenden Risikofaktoren bei Frauen durch Umstellung der Lebensweise entscheidend beeinflussen. „95 Prozent aller Herzinfarkte, die Frauen in Westeuropa betreffen, wären durch einen herzgesunden Lebensstil vermeidbar“, erklärt der Herzspezialist Prof. Alois Sellmayer von der Universitätsklinik München. Eine fettärmere, an Gemüse, Salat, Obst und Vollkornprodukten reichere Ernährung, regelmäßige körperliche Bewegung, Abbau von Übergewicht und der Abschied vom Zigarettenrauchen sind die Hauptpunkte bei dieser Präventionsmaßnahme.

Frauen leiden anders

Wenn Frauen mit Herzinfarkt durchschnittlich erst nach zweieinhalb Stunden und damit 30 Minuten später als die Männer in die Klinik kommen, liegt das auch daran, dass der Infarkt bei Frauen andere Beschwerden als bei Männern verursacht. „Bei nahezu jeder zweiten Frau treten die klassischen Infarktbeschwerden wie Engegefühl in der Brust und ausstrahlende Schmerzen in den linken Arm überhaupt nicht auf“, erklärt die Kardiologin Prof. Verena Stangl von der Charité in Berlin. Zusätzlich zu den allgemeinen Symptomen wie Angstzustände oder Schmerzen, die in Zähne oder Kiefer ausstrahlen, gibt es Anzeichen, die überwiegend nur bei Frauen auftreten.

Typisch weibliche Symptome

Als typisch weiblichen Komplex von Symptomen nennt Prof. Stangl Kurzatmigkeit, ungewöhnliche Müdigkeit, Schlafstörungen, Übelkeit und Erbrechen sowie Schmerzen in Nacken und Hals. Wenn Frauen über diese Anzeichen besser Bescheid wüssten, würden sie im Notfall auch eher an einen Herzinfarkt denken und den Notarzt rufen. Denn jede Minute kann dann über Leben und Tod entscheiden.

So vermeiden Sie den Herzinfarkt

  • Um 50 % kann laut Prof. Sellmayer das Risiko verringert werden, wenn das Rauchen aufgegeben wird.
  • Um 36 % sinkt das Risiko, wenn die Ernährungsweise „herzgesund“ umgestellt wird: Mehr als 400 g Obst und Gemüse pro Tag, viele Vollkornprodukte und Nüsse, nur mageres Fleisch, zweimal wöchentlich fetter Fisch, moderater Alkoholkonsum, wenig gesättigte Fettsäuren und möglichst geringe Kochsalzzufuhr (weniger als sechs Gramm pro Tag).
  • Verschaffen Sie sich regelmäßig Bewegung durch Sport (drei- bis viermal pro Woche zwischen 20 und 40 Minuten). Auch täglich 30 Minuten schnelles Gehen hat einen vorbeugenden Effekt.
  • Runter mit dem Übergewicht. Der Taillenumfang sollte unter 88 liegen – am besten bei 80.
  • Achten Sie auf Ihren Blutdruck. Er sollte deutlich unter 140/90 mm Hg liegen.
  • Die Blutfettwerte sollten normalisiert werden: Das LDL-Cholesterin unter 130, das HDL über 45, die Triglyzeride unter 200 mg/dl.
  • Die Stressbelastung in Beruf und Familie nach Möglichkeit verringern.