Suchen

Transplantgeschehen in Österreich

 
 
Transplantation (TX) ist die ultimative Therapieform, wenn Medikamente und andere Behandlungen fehlschlagen. Mit TX wird nicht nur das Überleben gesichert, sondern in den meisten Fällen eine gute Lebensqualität wieder erlangt. Transplantierte können ein fast „normales“ Leben führen, wenn die nötigen Vorkehrungen getroffen werden.
Einzige Einschränkung: lebenslange Einnahme von Immunsuppressiva , hohes Infektionsrisiko, hohes Krebsrisiko  und Nebenwirkungen auf andere Organe (Niere, Leber).
 
Die Organvergabe erfolgt durch Eurotransplant nach genau geregelten Kriterien.
 
In Österreich gilt wie in den meisten europäischen Ländern die „Widerspruchsregelung“, d.h. wer nicht als Organspender in Frage kommen will, muss sich ins Widerspruchregister der ÖBIG eintragen lassen. Derzeit sind ca. 33.000 Personen eingetragen, davon ca. 5.000 aus dem Ausland. In der Praxis wird in Österreich jedoch von einer Organentnahme abgesehen, wenn die Angehörigen glaubhaft machen, dass der/die Verstorbene das nicht gewollt hätte. 
 
Einige Staaten, darunter Deutschland, haben Formen der „Zustimmungsregelung“, man muss ausdrücklich erklären, seine Organe spenden zu wollen. Das reduziert die Spenderzahlen deutlich, die Wartezeiten in D sind doppelt bis dreimal so lang wie in Österreich.
 
Es sterben immer noch viele Patienten auf der Warteliste, s. unten, was durch ein höheres Organaufkommen zu vermeiden wäre.
 
Vor wenigen Tagen ist der Jahresbericht 2014 der ÖBIG Transplant erschienen, der einen umfassenden Überblick über die Situation in Österreich gibt. Wer sich intensiver informieren will, kann den Bericht bzw. eine Kurzfassung (57 Seiten) unter  „Aktuelles“ in  www.goeg.at herunterladen.
 
Die wesentlichen Fakten zur Organtransplantation in Österreich:
  • Transplantiert wird an
    • MedUni Wien (AKH) Herz, Leber, Lunge, Niere, Pankreas
    • Uni-Klinik Innsbruck Herz, Leber, Lunge, Niere, Pankreas, Gliedmaßen
    • Uni-Klinik Graz  (LKH)  Herz, Leber, Niere, Pankreas
    • AKH Linz Niere
  • 2014 gab es über 1000 Patienten mit primärer oder sekundärer Hirnschädigung. Davon kamen nur 354 als potentielle Organspender in Frage, die meisten Ausfälle gab es durch nicht eindeutig vorliegenden Hirntod, schlechte Organe und Malignome. Von diesen potentiellen Spendern wurden letztendlich von nur 175 Hirntoten tatsächlich Organe transplantiert; bei 69 von ihnen wurden wegen mündlicher Widersprüche keine Organe entnommen.
  • Die österreichische Versorgungslage ist im internationalen Vergleich nach wie vor als gut zu bezeichnen, obwohl immer noch Menschen versterben, die auf den Organwartelisten stehen. Zurzeit befinden sich 921 Personen auf den Wartelisten für eine Organtransplantation, das sind um sieben Prozent weniger als im Vorjahr.
  • 736 Transplantationen wurden mit Organen verstorbener Spender durchgeführt (49 mehr als 2013)
    • Herz 68
    • Leber 136
    • Lunge 134
    • Niere 375
    • Pankreas 21
    • Gliedmaßen 2
    • Dazu kommen noch 6 Leber- und 71 Nieren-Transplantationen mit Organen lebender Spender.

  • Dynamik auf der Warteliste:
  Patienten auf der Warteliste
31.12.2014
Wartezeit bis Trans-plantation Mittel 2009-2015) Sterberate auf der Warteliste (Mittel 2009-2015)
Herz 57  4,2  Monate 8 %
Leber 86  3,5 16 %
Lunge 72  3,2 6 %
Niere 673 42,1 5 %
Pankreas 33  7,4 2 %
 
  • Interessant ist die Geschlechtsverteilung: Die Lungenempfänger sind ¾ Frauen; bei allen anderen Organen sind ¾ Männer
 
Es gibt in Österreich viele Selbsthilfegruppen, die sich um die Anliegen der Transplantierten und der Menschen auf der Warteliste kümmern. Selbsthilfegruppen sind auch Anlaufstellen für Information, Hilfe, Geselligkeit und Sport.
So wurde z.B. 1987 der Verein HLuTX (damals noch unter einem anderen Namen) gegründet; heute mit Selbsthilfegruppen in fast allen Bundesländern.
Eine österreichweite Selbsthilfegruppe gibt es auch für Nierentransplantierte, ebenfalls mit regionalen SHGs in den Bundesländern. Lebertransplantierte sind in einzelnen Bundesländern organisiert.

Mehr Information zu Herz- und Lungentransplantation finden Sie unter: www.hlutx.at
Information über den Dachverband Organtransplantierte finden Sie unter www.organtransplantierte.at
 
DI Ulf Ederer, Obmann Österr. Verband der Herz- und Lungentransplantierten
Stand: 23. 6. 2015
Quelle: ÖBIG Transplant Jahresbericht 2014